Klassik mit Drehleier und Sackpfeife

Klassik mit Drehleier und Sackpfeife

Mit Streichern, Oboen und Hörnern präsentierte sich vor Kurzem das Kammerorchester der Stadtkapelle Seligenstadt an zwei aufeinander folgenden Tagen in St. Marien Seligenstadt und Offenbach. Unter dem Programmtitel „Mozart – Vater, Sohn, Rivale“ begeisterten sie ihre Zuhörer mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, seinem Vater Leopold und von Antonio Salieri, dem vermeintlichen Rivalen. Dirigent Roman Zöller und die Konzertmeisterin Cornelia Scholz hatten dieses Programm gemeinsam zusammengestellt und mit dem Orchester erarbeitet.

Als Visitenkarte musizierten sie zu Beginn das dritte Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart und konnten dabei vielfältige musikalische Stimmungen und Parameter zeigen. Cornelia Scholz erläuterte in ihrer Moderation, dass dieses frühe Werk aus Mozarts Zeit als Konzertmeister in Salzburg auch für ihn quasi eine Visitenkarte seiner kompositorischen Fähigkeiten war.

Das zweite Werk von Mozart, seine Sinfonie Nr. 29, ist ebenfalls ein Jugendwerk und stand als Höhepunkt am Ende des Programms. Sie zeigt in Aufbau, Gestaltung und den Klangfarben schon viel von seinem musikalischen Vermögen.

Mozarts Vater Leopold kümmerte sich schon früh um die Karriere seines Sohnes Wolfgang Amadeus. Dabei stand sein reichhaltiges eigenes Schaffen meist im Hintergrund. In der aufgeführten „Bauernhochzeit“, eine programmatischen Musik, wird der einfache ländliche Charakter durch zwei Instrumente verstärkt, die sonst im Konzertbetrieb nicht zu hören sind: Sackpfeife (Dudelsack) und Drehleier. Mit Michael Schulz und Knud Seckel konnten zwei Spezialisten für dieses Konzert gewonnen werden, die diese Klänge im Zusammenspiel mit dem Orchester bestens darbieten konnten.

Insgesamt zeigte sich das Orchester gut vorbereitet und präzise dem Dirigat von Roman Zöller folgend. Die differenzierte Artikulation und Dynamik und das Zusammenspiel von Streichern und Bläsern machten die Konzerte zu abwechslungsreichen Erlebnissen. Hierzu trug Antonio Salieris „Sinfonia Veneziana“ bei, eigentlich eine Zusammenstellung von drei Orchesterstücken aus seinen Opern. Temperamentvoll und spritzig präsentierte das Orchester den ersten und dritten Satz, ruhigere Töne erklangen im Mittelsatz. Die im Film „Amadeus“ herausgestellte Rivalität ist nicht wirklich belegt. Wahrscheinlich handelte es sich eher um eine respektvolle Konkurrenz unter Kollegen.

Langanhaltender Applaus war der Lohn für dieses abwechslungsreiche und gelungene Konzert des Kammerorchesters rund um Wolfgang Amadeus Mozart.

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