Jahreskonzert 2012

Jahreskonzert 2012

Der Andrang war groß, der Platz jedoch begrenzt: Kurz Entschlossene hatten am Samstag vor Seligenstadts guter Stube das Nachsehen. Das Herbstkonzert der Stadtkapelle Seligenstadt übertraf alle Erwartungen.

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Original Text der Offenbach Post:

“ Seligenstadt – Der Andrang war groß, der Platz jedoch begrenzt: Kurz Entschlossene hatten am Samstag vor Seligenstadts guter Stube das Nachsehen. Das Herbstkonzert der Stadtkapelle Seligenstadt übertraf alle Erwartungen.

Weil das Herbstkonzert der Stadtkapelle restlos ausverkauft war, mussten die Veranstalter an der Abendkasse einige wieder wegschicken. Diejenigen, die Karten ergattert hatten, erlebten im Riesensaal ein Konzert der Extraklasse. Viele Besucher waren von weit her gekommen, um das Programm zu hören. Bereut haben dürften es die wenigsten. „Was soll denn jetzt noch kommen?“ fragte ein begeisterter Besucher in der Pause, „das Konzert kann ja jetzt nur noch verlieren.“ Dass dem nicht so war – dazu später mehr.

Nach einem fulminanten Auftakt durch das 65 Musiker starke Jugendorchester war das Publikum bestens vorbereitet auf den weiteren Verlauf des Abends. Dirigentin Ulrike Hofmann hatte sich mit einer kleinen Mannschaft im Vorfeld richtig viele Gedanken gemacht. „Generation Fanfare“ von Otto M. Schwarz bot einen stilvollen Auftakt mit kräftigen Trompetenklängen und Schlagwerk, bevor das ganze Orchester miteinstimmte.

Zusammenschnitt bekannter Melodien

Das Hauptwerk des Programms der Vereinsjugend war sicherlich ein Zusammenschnitt der bekanntesten Melodien aus dem Musical „Rent“. Mit herrlichen Holzpassagen wunderschön dargebracht, fühlte sich das Publikum direkt an den Broadway versetzt. Obwohl eher für ausgereifte Erwachsenenorchester der höheren Stufen konzipiert, führte die Jugend das anspruchsvolle Werk meisterlich auf.

Wer bei dem folgenden Stück ein kleines Saxophonsolo erwartete, wurde sogleich eines Besseren belehrt. Julika Steinert postierte sich selbstbewusst und souverän in der Mitte der Bühne und präsentierte mit ihrem Orchester den Klassiker „Harlem Nocturne“. Nicht nur ausgezeichnet gespielt, nein, die 16-Jährige bot zudem die entsprechende Performance, die zu einem amerikanischen Nachtclub der 40er Jahre eben dazu gehört.

Mit zwei weiteren Werken, –„In the stone“, in dem Stücke von Earth, Wind and Fire für Blasorchester vertont wurden sowie „Glee Showstoppers“, bei dem das Publikum gelungene moderne Versionen klassischer Rockhits wie „Jump“, „Total Eclipse of the Heart“, „Dream On“ und andere hören durfte –, verabschiedete sich das Jugendorchester schließlich nach mehreren Zugaben. Nach einer kurzen Umbaupause nahm dann das Große Blasorchester (GBO) auf der Bühne Platz und begrüßte das Publikum mit einem festlichen Konzertmarsch. „March to Mars“ ist dem antiken Gott des Krieges gewidmet und stimmte thematisch auf einen Höhepunkt des ersten Konzertteils ein. Die „Ouvertüre 1812“ von Tschaikowski handelt bekanntlich auch von Krieg: Vom Einfall Napoleons Truppen in Russland. Ein Feldzug, der die Geschichte Europas für lange Zeit prägen sollte.

Tosender Applaus für Kapelle

Eindrucksvoll setzte Tschaikowski diese Auftragskomposition im Jahre 1876 um, und die sicherlich beste Transkription für Blasorchester von Mathew L. Lake zog jeden Konzertbesucher in seinen Bann: Die russische Bevölkerung betet in den Gottesdiensten ob des bevorstehenden Einmarsches der französischen Truppen. Napoleon scheint das Land zu überrollen. Die Weite des Landes und der unerbittliche Widerstand der Truppen und der russischen Bevölkerung wenden das Blatt. Die Glocken aller Kirchen Russlands künden vom Sieg Russlands gegen den französischen Kaiser. All dies, hervorragend eingestimmt durch den Moderator des Abends, Stefan Weilmünster, ließ die Gäste eintauchen in die Thematik des Werkes. Tief beeindruckt belohnte das Publikum die Stadtkapelle mit tosendem Applaus und ging in die Pause.

Wer dachte, das GBO ließe es im zweiten Teil sachter angehen, irrte: Kenner der Szene wissen, welchen Anspruch die „Second Suite in F“ von Gustav Holst an ein Blasorchester setzt. In der Suite, die vor mehr als 100 Jahren als eines der ersten Werke für das heutige Blasorchester komponiert wurde, verarbeite Holst traditionelle Volkslieder, die er kunstvoll mit dem Wissen um die Möglichkeiten des Klangkörpers miteinander verwebte. In vier Sätzen präsentierte man diesen Meilenstein der Blasorchesterliteratur eindrucksvoll und eingängig. Mit „Hymn to the Fallen“ hatte Dirigent Christoph Aßmann ein Stück ausgewählt, das als atmosphärischer Ruhepunkt im zweiten Konzertteil wirkte. Mit dem eindrucksvollen, von John Williams komponierten Klangstück, gedachte das GBO der Gefallenen aller Kriege.

Souveräner Solopart

„Klezmer Classics“ bildete schließlich den offiziellen Abschluss des Konzertes. Klezmer, die traditionelle Instrumentalmusik der jiddisch sprechenden Juden Osteuropas, ist eine Musikart, die jeden sofort begeistert. Prominentester Vertreter dieses Stils ist der Klarinettist Giora Feidman. Entsprechend wurde hier vor allem das hohe Holz gefordert. Astrid Galia, die aufgrund einer Gehirnerschütterung beinahe ausgefallen wäre, trotzte ihrer Verletzung und spielte souverän ihre Soloparts auf dem Sopransaxophon.

Weitere Solostellen übernahmen Julia Neutzner an der Oboe, Norbert Zabolitzki an der Klarinette und Gerrit Scheich an der Trompete. Mit Norbert Bopp hörte das Publikum einen Meister des Akkordeons. Letzteres wurde sodann auch in der ersten Zugabe benötigt: „Libertango“ von Astor Piazolla, dem argentinischen Bandoneonspieler und Begründer des Tango Nuevo, in einem beeindruckenden Arrangement für Blasorchester. Mit einer weiteren Zugabe verabschiedete sich das Orchester von seinem Publikum. Am Schluss waren sich alle einig: Ein exzellentes Konzert, mit dem die Stadtkapelle ihr Können bestens unterstrichen hat. „

jb (Offenbach Post)

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